Wanderung auf den Biberkopf in den Allgäuer Alpen

Der Biberkopf in den Allgäuer Alpen ist mit seinen 2599m der sechsthöchste Berg Deutschlands. Heute brechen wir zu dieser schweißtreibenden Wanderung auf.

Flo von phototravellers.de hat sich in den Kopf gesetzt die 10 höchsten Berge Deutschlands zu besteigen. Heute begleite ich ihn auf der Tour zum Biberkopf in den Allgäuer Alpen.

Nachdem die ärztlich verordnete Zwangspause vorbei ist kann ich es kaum noch erwarten endlich wieder in die Wanderstiefel zu schlüpfen und dahin zurückzukehren wo es mir immer gut ging-meine geliebte Bergwelt. Eine Tour ist schnell gefunden und so treffe ich mich am Samstagmorgen um 05:00 Uhr mit Flo in München um gemeinsan den Biberkopf zu besteigen. Langsam geht die Sonne auf und die Felder neben der Autobahn werden von einer dichten Nebeldecke bedeckt. Als wir dann auf die Autobahn in Richtung Süden abbiegen werden die Allgäuer Bergriesen bereits von der Sonne angestrahlt. Da ist es wieder, das Gefühl was ich die letzten Wochen so vermisst habe… Während mir ein Kribbeln durch den Körper fährt gehen wir noch einmal alle Wegpunkte der Tour durch und machen uns auf einen langen Tag gefasst. Aber unser Wandertag wird länger als erwartet…

Es ist 07:15 Uhr als wir den Parkplatz der Fellhornbahn (Adresse fürs Navi: Faistenoy 10 – 87561 Oberstdorf) erreichen. Für 4€ kaufen wir uns ein Tagesticket und treffen die letzten Vorbereitungen. Direkt am Parkplatz weist uns ein Wegweiser den Weg zum ersten Ziel:

Aufstieg zur Enzianhütte (1804m)

Kalt ist es an diesem Morgen. Gerade mal 7 Grad Celsius zeigt das Thermometer. Aber die Aussicht auf den kommenden Weg erwärmt das Herz und der Himmel verspricht einen sonnigen Tag. Also nichts wie los.

Unser Weg führt uns anfangs gemütlich durch das lange Tal bis nach Birgsau und weiter nach Einödsbach.

In aller Ruhe laufen wir die Muskeln und die Beine warm. Nach gut einer halben Stunde zieht der Weg etwas an und wir folgen dem breiten Fahrweg hinauf zum ersten Ziel. Die ersten Höhenmeter gestalten sich als wenig schwierig und wir können die morgendliche Aussicht in vollen Zügen genießen. Beim Gasthof in Einödsbach biegen wir rechts in den Biergarten ab-nein, nicht um uns ein Bierchen zu gönnen, der Wanderweg führt tatsächlich zwischen den Bierbänken hindurch. Wenige Meter später wird der breite Weg zum kleinen Pfad und wir wandern hinein in den Wald. Immer wieder gilt es kleinere steile Passagen zu meistern. Unser Weg führt uns vorbei an kleinen Wasserfällen und er bietet uns immer wieder einen schönen Blick in die Landschaft.  Als wir dann die Petersalpe erreichen öffnet sich der Blick in die Allgäuer Bergwelt endgültig. Wir stehen auf einer grünen Almwiese und können in vollen Zügen die Aussicht genießen.

Von hier an wird der Weg richtig steil. Die Sonne scheint schon heiß vom Himmel und saugt das Wasser der vorhergehenden Regentage auf. In dieser Schwüle kommen wir mächtig ins Schwitzen.

Nach gut einer Stunde in der warmen Sommerhitze sehen wir endlich die Enzianhütte (1804m).

Selbstverständlich lassen wir es uns nicht nehmen hier eine größere Pause einzulegen und uns etwas zu regenerieren.

Kaffee und Skiwasser füllen den, bereits etwas erschöpften, Energiehaushalt wieder auf. Am liebsten wären wir hier ewig sitzengeblieben, aber das nächste Ziel wartet bereits.

Der Aufstieg zur Rappenseehütte (2092m)

Von hier an wird die Wanderung zum absoluten Naturerlebnis. Der schmale Pfad zieht sich anfangs eben am Berg entlang und wir können uns wieder gemütlich warmlaufen.

Eine gute halbe Stunde folgen wir dem herrlichen Panoramaweg bis es schließlich wieder steil nach oben geht.

Immer wieder legen wir kleine Verschnaufpausen ein und lassen uns von der Landschaft begeistern. Nach etwas über einer Stunde erreichen wir dann unser zweites Ziel: die Rappenseehütte.

Traumhaft zwischen den Bergriesen gelegen bietet sie einen perfekten Stützpunkt  für Mehrtagestouren. Es warten jede Menge traumhafter Gipfel in der näheren Umgebung.

Da wir uns erst gestärkt haben lassen wir die Hütte unbesucht und machen uns auf den Weg zu unserem ersten Gipfel des Tages.

Aufstieg zum Rappenseekopf (2469m)

Waren wir bislang schon von der Landschaft begeistert überschlagen sich jetzt die Eindrücke. Vor uns liegen saftig grüne Almwiesen, welche von Kühen und Eseln begrast werden und im Hintergrund sehen wir bereits die heutigen Ziele. Hier oben ist die Welt noch in Ordnung.

Nachdem es einige Meter eben dahin ging treffen wir auf einen kleinen Schotterpfad, welcher steil nach oben führt. Mühsam kämpfen wir uns die Höhenmeter nach oben. Am Sattel angekommen zeigt sich das hohe Licht in seiner vollen Schönheit. Ich bin mir sicher, dieser Gipfel wird bald Besuch von mir bekommen. Hier legen wir noch einmal eine kleine Pause ein und werfen einen Blick auf das GPS. Zur Wahl stehen ein einfacher und ein anspruchsvoller Weg. Klar, dass wir die schwierigere Variante wählen.

Der felsige Pfad zieht sich einige Meter nach oben bis es Zeit wird die Hände zu Hilfe zu nehmen.

Mit einigen kräftigen Armzügen schaffen wir es nach oben und werden immer wieder mit tollen Aussichten belohnt.

Kurz vor dem Gipfel lehnt sich der Berg etwas zurück und wir können die letzten Meter etwas entspannter nach oben wandern. Endlich kommt auch das Gipfelkreuz in Sicht.

Wie nicht anders zu erwarten legen wir hier eine größere Pause ein und genießen Brotzeit und Aussicht.

Aber der Weg zum Ziel ist noch weit, also brechen wir nach gut einer halben Stunde wieder auf:

Der Weg zum Hochrappenkopf (2425m)

Der zweite Gipfel des Tages liegt gut 45 Minuten von hier entfernt. Unser Weg führt uns wieder einige Höhenmeter hinunter und nach dem Sattel natürlich wieder hinauf.

Man muss schon etwas achtsam sein um beim Abstieg nicht auf dem losen Schotter auszurutschen. Der Aufstieg zum Hochrappenkopf ist dagegen in gut 20 Minuten zu meistern. So kommen wir nun auch an Gipfel Nummer 2 an.

Inzwischen spüren wir beide die Anstrengungen der letzten Stunden. Ich lasse es mir nicht nehmen mich für einige Minuten ins Gras zu legen und die Aussicht in aller Ruhe zu genießen. Genau das ist doch das worauf es ankommt.

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Der finale Aufstieg zum Biberkopf (2599m)

Nach der genüsslichen Pause wird es Zeit zum eigentlichen Ziel unserer Tour aufzubrechen-auf zum Biberkopf. Nach einem kurzen Abstieg folgen wir einem traumhaften Panoramaweg…

… dieser lässt uns das Naturerlebnis in vollen Zügen genießen. Vergessen sind all die Anstrengungen und wir werden mit einer einmaligen Aussicht belohnt. Gemütlich wandern wir in diesem Bergparadies, bis wir auf einen kleinen Abzweig treffen… Hier schauen wir einige Höhenmeter nach unten-es wartet ein steiler schottriger Abstieg der wieder einiges an Trittsicherheit erfordert.

An einigen Stellen müssen wir wieder unsere Hände zu Hilfe nehmen um einen sicheren Halt zu bekommen. Unten angekommen schnaufen wir erstmal durch und machen uns Gedanken über den Gegenanstieg. Es warten mehrere Hundert Höhenmeter in der heißen Nachmittagssonne auf uns.

Jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen und sich noch einmal konzentrieren. Auf dem losen Schotter kämpfen wir uns wieder Meter um Meter nach oben…

Auch wenn uns der Schweiß aus allen Poren läuft gibt es immer wieder Momente des Genusses.

Nach gut einer Stunde quälender Anstrengung ist es fast geschafft. Es wartet noch eine kurze Kraxelei bis wir den letzten Wegweiser zum Gipfel erblicken. Noch einmal atmen wir durch und gönnen unseren Körpern etwas Ruhe. Zugegeben, ich schaue etwas zweifelnd auf die letzten Höhenmeter… Ein Wanderer, welcher gerade vom Gipfel absteigt, tut sich sichtlich schwer die Rinne zu meistern. Aber jetzt sind wir einmal hier…

Der restliche Weg bis zum Gipfel erfolgt über eine steile Felsrinne. Hier sind noch einmal Hände und Kraft gefragt.

Einige Stellen sind schon gut abgelaufen und andere sind noch nass vom Regen der vorherigen Tage. Wir lassen uns genügend Zeit um sicher oben anzukommen und erblicken endlich das Gipfelkreuz.

Nur noch wenige Meter und wir haben unser Ziel erreicht. Als wir am Gipfel ankommen ist die Freude kaum zu übertreffen. Seit unserem Start in Oberstdorf sind 9 Stunden vergangen und wir haben ca. 2000 Höhenmeter hinter uns gebracht. Aber es dauert nur wenige Sekunden bis die Mühen vergessen sind und wir dem Rausch der Aussicht verfallen…

Jetzt heißt es erstmal richtig ausruhen. Viel reden wir nicht hier oben. Zu beeindruckend ist das Gefühl hier sein zu dürfen. Endlich fällt auch die Last der letzten Wochen von mir ab und ich kann wieder frei sein und mich fallen lassen. Ich glaube das ist genau der Grund warum ich in die Berge gehe, dieses einmalige Gefühl von Freiheit und die Demut zu spüren wie klein wir in dieser gewaltig schönen Welt sind… Auch nach weit über 150 Gipfeln ist dieses Gefühl immer wieder einmalig…

Auch die Brotzeit kommt nicht zu kurz. Aber bevor ich in meine Käsestange beiße lasse ich es mir nicht nehmen mir erstmal einen Schluck Bier zu gönnen. Prost Freunde. 🙂

Oliven, Eier und die besagten Käsestangen… Wir lassen es uns hier oben richtig gutgehen und genießen jede Minute.

Inzwischen ist es ca. 17:15 Uhr und wir müssen uns, wohl oder übel, Gedanken um den Abstieg machen…

Der Abstieg nach Lechleiten

Eins ist fakt-den gleichen Weg zurück wollen wir nicht gehen. Da wir im Tal einen Fahrweg nach Lechleiten gesehen haben entschließen wir uns heute den Biberkopf zu überschreiten und den sicheren Weg durch das Tal zu wählen.

Wir erreichen sicher das Ende der Rinne wo uns der Wegweiser den weiteren Weg zeigt.

Die kommenden Meter zieht sich der Weg wieder auf losem Schotter nach unten bis wir auf die kleine Schlüsselstelle treffen. Schon auf dem Hinweg haben uns entgegenkommende Wanderer von diesem kleinen Grat erzählt… Bevor wir ihn erreichen heißt es aber erstmal einige Meter hinunterkraxeln.

Der Grat ist gut versichert und Stahlstifte und Seil bieten genügend Möglichkeiten sich festzuhalten.

Nachdem das Stückchen gemeistert ist heißt es wieder Aussicht genießen.

Jetzt führt der Weg in kleinen Serpentinen nach unten, doch halt!!! Wir haben eine tierische Begleitung:

Leider ist das Tierchen nicht ganz so zutraulich und ergreift irgendwann die Flucht… Also weiter geht’s über die Grasberge hinunter zum nächsten Ziel.

Die Berge werden inzwischen in ein malerisches Abendlich gemalt und wir können die Anstrengungen immer wieder vergessen.

Irgendwann gelangen wir dann auf die Felder von Lechleiten und wir hoffen auf ein leckeres Abendessen in einem der Gasthöfe. Leider bleibt uns dieses verwehrt, es gibt nur noch Speisen für Übernachtungsgäste, aber wenigstens bekommen wir noch kühlende Getränke welche uns Zucker für den restlichen Weg spenden.

Der Rückweg von Lechleiten nach Oberstdorf

Es ist 20:30 Uhr als wir uns wieder auf den Weg machen. Noch einmal müssen wir einige Meter hinauf zum Schrofenpass (1688m) aufsteigen. Als wir da ankommen wird es endgültig Zeit die Stirnlampen aufzusetzen. Ein kurzer Blick auf das GPS und schon geht es weiter. Unser Weg führt uns über den Eselsteig auf den Fahrweg. Zugegeben, nachts ist dieser Steig mit Vorsicht zu genießen aber Dank der Lampen meistern wir diesen sicher. Was jetzt folgt ist reine Nervensache… Es warten noch gut 12 km Teerweg auf uns und glaubt mir, der Weg zieht sich. Immer wieder frage ich Flo wie weit es noch ist… Noch 9 km, noch 6 , noch 3… Endlich erreichen wir den Weg, welchen wir schon am Morgen gegangen sind. Es ist 00:15 Uhr als wir wieder am Parkplatz eintreffen. Jetzt heißt es nur noch Füße lüften und relaxen…

Hinter uns liegen 35 Kilometer, 2200 Höhenmeter, 14 Stunden reine Gehzeit, viele wahnsinnige Eindrücke und das Wissen den sechsthöchsten Berg Deutschlands erfolgreich bestiegen zu haben. Auch wenn wir jetzt echt gut fertig sind überwiegt die Freude über diesen einmalig schönen und 17 Stunden langen Tag.

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Das Video zur Tour:

Mit freundlicher Genehmigung von phototravellers.de

Schaut doch mal rein uns lasst euch von dem Film begeistern.

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Mein Fazit:

Die lange und anstrengende Wanderung von Oberstdorf auf den Biberkopf ist ein landschaftlicher Hochgenuss. Die umliegenden Berge zeigen während der ganzen Tour ein malerisches Panorama und die Idylle ist wirklich beeindruckend. Der Aufstieg von Lechleiten / Tirol ist wesentlich kürzer. Von hier aus benötigt man (laut Ausschilderung) 3,5 Stunden bis zum Gipfelkreuz. Meine Empfehlung wäre am ersten Tag bis zur Rappenseehütte aufzusteigen und am kommenden Morgen die zahlreichen Gipfel zu erklimmen. Die Hütte bietet eine Vielzahl an Wanderzielen. Die Tour, wie wir sie gegangen sind, kann ich nur konditionsstarken Wanderern empfehlen. Es war definitiv eine einmalige Erfahrung aber ob ich sie noch einmal in dieser Form machen würde weiß ich jetzt nicht zu sagen. 😉 Lassen wir erstmal den Muskelkater vergehen, dann sehen wir weiter.

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Also, bis zum nächsten Abenteuer, Maik

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