Wandern am Plansee – Die Überschreitung der Geierköpfe

Hoch über dem Plansee in Tirol wartet eine alpine Wanderung der Extraklasse – die Überschreitung der Geierköpfe verspricht fantastische Aussichten und jede Menge Nervenkitzel.

Die Tour über die Geierköpfe umfasst drei aussichtsreiche Gipfel: den westlichen Geierkopf (2143m), den Geierkopf (2161m) und den östlichen Geierkopf (2060m).

Es ist bereits das dritte Mal, dass ich zur Überschreitung der Geierköpfe aufbreche. Im Januar 2014 sind wir, aufgrund des hohen Schnees, gescheitert und im Juni 2014 haben Markus (outdoor-blog.org) und ich leider nur dicke Wolken zu Gesicht bekommen. Heute ist es Zeit bei bestem Wetter zurückzukehren.

Es ist 05:30 Uhr als der Wecker uns aus dem Schlaf klingelt. Schnell noch einen Kaffee und ein kleines Frühstück bevor es losgeht. Kurz nach 07:00 Uhr sind wir dann am Startpunkt der heutigen Tour über die Geierköpfe: dem Campingplatz am Plansee (Adresse für´s Navi: Am Plansee 9  A-6600 Breitenwang) Am Ende der Straße gibt es einen Wanderparkplatz von dem aus unsere Tour startet.

Der Aufstieg zum westlichen Geierkopf (2143m)

Nachdem alle Sachen gepackt sind, die Kuh begrüßt ist und die Stiefel geschnürt sind folgen wir dem Weg in Richtung Musteralm und treffen bald auf den ersten Wegweiser:

Wir biegen rechts auf den Fahrweg ab und folgen diesem für ca. 10 Minuten bis uns ein kleines Schild die Abzweigung zum Steig zeigt:

Dieser Hinweiszettel kann durchaus schnell übersehen werden.

Jetzt folgen wir dem kleinen und unscheinbaren Pfad links von der Geröllhalde, welche durch die letzten Lawinenabgänge entstanden sein mag.

Nach wenigen Höhenmetern treffen wir auf den Wald. Von nun an geht es in kleinen Serpentinen steil nach oben.

Es ist noch angenehm kühl heute Morgen. Das frühe aufstehen hat sich somit gelohnt.

Anstrengend aber technisch unschwierig führt uns der Weg Meter für Meter nach oben.

Nach gut einer Stunde treffen wir auf die erste mit Drahtseilen versicherte Passage. Zwar ist der Weg von der breite her okay aber der lose Schotter macht die Ketten zu einem mehr als sinnvollen Hilfsmittel.

Wenige Meter später werden wir wieder mit einer traumhaften Aussicht über den Plansee belohnt:

Hier können wir kurz innehalten und genießen.

Die nächsten Höhenmeter treiben uns wieder den Schweiß auf die Stirn. Es geht weiter steil bergauf und ab und an warten einige höhere Felsstufen darauf von uns gemeistert zu werden.

Als wir den Bergrücken erreichen treffen uns die ersten warmen Sonnenstrahlen. Zum Glück lehnt sich der Weg jetzt zurück und wir wandern die nächsten 20 Minuten zwischen traumhaften Lichtungen und kleinen Wiesen fast eben dahin.

Auf dieser Passage können wir gemütlich durchschnaufen und das morgendliche Flair in vollen Zügen genießen.

Selbstverständlich lassen wir es uns nicht nehmen hier eine größere Pause einzulegen. Direkt an der Hütte befindet sich ein kleiner Brunnen, welcher uns eine angenehme Abkühlung schenkt. Selbstverständlich füllen wir hier auch gleich die Wasservorräte wieder auf.

Nachdem wir den Blick über die Almwiese hinüber zur Zugspitze genossen haben machen wir uns an den weiteren Aufstieg. Vor dem was jetzt kommt graut es mich schon von Anfang an… Wir halten uns an der Hütte rechts und nach wenigen Minuten treffen wir auf eine ausgewaschene Rinne, welche von Latschenkiefern überdacht ist.

Trotz des unangenehmen Gehens bin ich den Latschen doch recht dankbar. Sie bieten uns Schatten und speichern die Kühle des kleinen Rinnsals. Nach gut 15 Minuten kann ich meinen Rücken wieder entlasten und aufrecht gehen. Die Unannehmlichkeiten werden wieder direkt belohnt:

Auch der Weg verliert jetzt an Steilheit und er führt uns angenehm weiter nach oben. Immer wieder spenden uns die Latschen angenehmen Schatten.

Noch zwei-drei große Serpentinen und wir sind auf dem Bergrücken.

Auf dem gerölligen Weg passieren wir noch einige letzte Latschenkiefern.

Bis wir endgültig ins freie Gelände kommen und die Sonne heiß auf uns herunter scheint.

Rutschig geht es weiter hinauf zum Gipfelkreuz. Auf den letzten Metern wartet noch eine kleine Kraxelstelle bevor wir endgültig oben ankommen.

Zugspitze, Mieminger Gebirge, Stubaier Alpen, Plansee, Ammergauer Alpen, und, und, und… Die Aussicht ist einfach grandios.

Wir haben bis jetzt gemütliche Drei Stunden für den Aufstieg benötigt. Nun ist es an der Zeit sich auszuruhen…

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Zwischenfazit: Die Wanderung vom Plansee hinauf zum westlichen Geierkopf ist genau das Richtige für eine schöne Tagestour. Bis auf wenige Stellen (denkt an den Tunnel mit den Latschenkiefern ;-)) führt der Weg schön nach oben und bietet einige idyllische Plätzchen zum ausruhen und genießen. Am Gipfel selbst ist jeden Anstrengung binnen Sekunden vergessen und das Panorama lädt einfach nur zum verweilen ein.

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Die Überschreitung der Geierköpfe

Hier endet das Wandern und es beginnt das alpine Bergsteigen!

Ab sofort sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit absolute Pflicht!!!

Schaut man vom Gipfelkreuz in Richtung Norden führt ein (scheinbar) angenehmer Gratweg zum Hauptgipfel der Geierköpfe.

Hat man jedoch die ersten Meter hinter sich gelassen gelangt man in der Senke an die erste knifflige Kraxelstelle.

Man muss schon genau hinschauen wo man Hände und Füße hinsetzt-links und rechts warten steile Geröllfelder. Auch wir halten kurz inne… Wenigen Minuten später kommen wir sicher am anderen Ende an. Jetzt geht es an den Aufstieg des Hauptgipfels. Die ersten 10 Höhenmeter sind dabei die reinste Qual. Nichts als feiner und loser Schotter pflastert den Weg. Wir kommen nur mühsam voran und müssen jeden Tritt mehrfach auf Festigkeit prüfen. Zum Glück wird es weiter oben etwas flacher-rutschig ist es trotzdem noch. Wir benötigen einiges an Kraft um den Gipfel sicher zu erreichen.

 Geschafft, wir sind oben.

Wir lassen uns erstmal auf dem Gipfel nieder und atmen durch. Immer wieder sehen wir Wanderer die an der Kraxelstelle kehrt machen und den Rückweg antreten. Ganz ehrlich? Für jeden der sich diese Stelle nicht zutraut ist die weitere Tour nicht machbar. Seid ehrlich zu euch selbst-wenn ihr merkt, dass es zu arg ist oder ihr euch unwohl fühlt-kehrt um. Eure Sicherheit ist das Wichtigste auf jeder Tour.

Nachdem wir uns am zweiten Gipfel des Tages ordentlich regeneriert haben werfen wir einen Blick auf den weiteren Weg.

Was die kommenden 1,5 Stunden folgt lässt alles vorhergehende verblassen. Bereits der Abstieg vom Geierkopf bringt Hände und Füße zum Dauereinsatz. Es warten einige steile Stufen, welche mit feinem Schotter bedeckt sind. Jeder Tritt muss hier auf das genaueste geprüft werden. Links von uns bricht die steile Nordwand hinunter und rechts warten mehrere Höhenmeter Schotterfeld-kein Platz für Fehler. Auch der Weg wir nach und nach immer undeutlicher. Zwar erkennt man hier und da immer kleine Spuren aber diese führen oftmals an eine Feldwand an der es dann heißt-umkehren. Hin und wieder weißen einen kleine Stoamandl die Richtung. Aber um diese zu erreichen muss man oft an brüchigen Fels hinunter kraxeln, auf allen vieren Schotterfelder hinunterrutschen oder sich mit viel Kraft wieder nach oben arbeiten.

Entschuldigt bitte wenn ich von diesen Passagen keine Bilder gemacht habe. Die Aufmerksamkeit war in diesen Momenten wichtiger als Fotos zu schießen.

Doch hier und da finden wir immer wieder ein sicheres Fleckchen um uns auszuruhen. Diese nutze ich natürlich auch um zur Kamera zu greifen.

Immer wieder treffen wir auf den kleinen Gratweg, bis wir an den nächsten Abbruch geraten. Meine persönliche Schlüsselstelle ist die Kletterpassage kurz vor dem Ausstieg aus dem alpinen Gelände. Wieder einmal denken wir, dass wir auf dem Gratweg gemütlich weiterspazieren können, doch plötzlich zeigt sich vor uns ein gut Fünf Meter tiefer Felsabbruch. Nun heißt es erstmal das Gelände zu sondieren. Das Stoamandl auf der anderen Seite und das GPS sagen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der Ab- und Aufstieg bieten gute und sichere Tritte. Langsam und mit viel Gefühl klettern wir auf der einen Seite am Fels hinunter und drüben wieder hinauf-GESCHAFFT!!!

Nun gilt es nur noch kleinere Kraxelpassagen zu meistern bis wir endgültig wieder auf den kleinen Pfad treffen. Zugegeben, wir sind schon etwas erleichtert. 😉

Die weiteren Meter zu unserem dritten und letzten Gipfel des Tages können wir wieder gemütlich dahinwandern und genießen.

Der Pfad verliert sich kurz vor dem finalen Gipfelanstieg. Noch einmal heißt es alle Kräfte zu mobilisieren. Oben angekommen lassen wir uns einfach nur noch in das Gras fallen. Die nervliche Anstrengung der letzten Stunden fällt von uns ab und ich greif endlich zu meinem Gipfelradler. Prost Freunde. 🙂

Nach gut einer halben Stunde kommt noch ein Bergfreund zu uns auf den Gipfel, übrigens der einzige den wir seit der ersten kleinen Kraxelstelle getroffen haben. Gemeinsam lassen wir die Tour noch einmal Revue passieren und stellen fest, dass wir uns wohl alle hier und da kurz verlaufen haben. Wir quatschen noch eine ganze Weile bevor wir uns voneinander verabschieden und uns an den Abstieg machen.

Der Abstieg ins Ammertal.

Schaut man vom Gipfel in Richtung Zugspitze erblickt man einige Meter unterhalb schon einen kleinen Weg. Auf diesen müssen wir nun gelangen. Da hier oben eh alles fast weglos verläuft wählen wir den direkten Abstieg-quer Feld ein… Noch einmal müssen wir ein dichtes Latschenfeld queren… Wie sagte Heinz Becker in der Weihnachtsausgabe so schön? „Akupunktur gegen Weihnachtsstress“ Ständig piekst es hier und da aber irgendwann erreichen wir wieder freies Gelände und den Weg.

Von nun an geht es stufig steil bergab. In kleinen ausgewaschenen Serpentinen kommen wir Meter für Meter dem Tal näher. Lediglich ein kleiner Bach und ein Wasserfällchen lassen uns pausieren. Nach der Hitze des Tages tut es einfach nur gut sich mit dem kühlen Nass zu erfrischen.

Immer wieder gibt es kleine Gegenanstiege und gut eine halbe Stunde führt der Weg sogar eben dahin-bis wir zum finalen Abstieg gelangen. Steil geht es jetzt hinunter und immer wieder gibt es heikle Passagen welche durch der Abraum der vergangenen Lawinen führen.

Nach unzähligen Serpentinen und Stufen erreichen wir kurz nach 17:00 Uhr das große Auslaufbett im Ammertal.

Doch Moment-unser Auto steht am Plansee-bis dahin sind es noch gut 10km…

Tipp!Tipp!Tipp!

Bei unserer ersten Überschreitung mussten wir den ganzen Weg an der Straße bis zum Parkplatz zurücklaufen. Heute haben wir mitgedacht. Bereits am Morgen hat meine Begleitung ihr Fahrrad hier geparkt. So kann sie zum Parkplatz radeln und mich dann mit dem Auto abholen. 🙂 Ich laufe ihr natürlich ein Stück entgegen aber nach der Tour ist die befahrene Straße kein idealer Ort um sich auszulaufen. An dieser Stelle nochmal ein großes DANKESCHÖN!!!

Als wir dann beide am Plansee angekommen sind und uns kurz gestärkt haben gibt es kein halten mehr. Schnell platzieren wir noch unsere Biwaksachen und dann nichts wie hinein in den kalten See. Was für eine Wohltat…

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Mein Fazit: Wie im Zwischenfazit bereits erwähnt ist die Tour zum westlichen Geierkopf eine wirklich schöne und empfehlenswerte Tour. Möchte man, wie wir, noch die Überschreitung machen sollte man definitiv trittsicher und schwindelfrei sein. Man betritt alpines Gelände wo sich die richtige Wegfindung an machen Stellen als recht kompliziert darstellt. Beachtet bitte, dass ich mich in meinem Bericht lediglich auf das Erlebte beziehe. Wenn ihr diese Tour ebenfalls gehen wollt belest euch bitte noch auf Seiten die genaue Fakten liefern. Es warten teilweise Kletterpassagen mit einem 3er Schwierigkeitsgrad auf euch. Für mich persönlich zählt die Tour definitiv zu einem Höhepunkt in meiner Wandergeschichte aber ob sie noch einmal gehen werde kann ich heute nicht beantworten. Neben Können und Geschick zählt eben auch immer ein klein wenig Glück dazu.

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 Also, viele Grüße und bis zum nächsten Mal, Maik

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